Manchmal dauert Menschlichkeit etwas länger

Er ist aus Syrien

Kurdischer Abstammung

Er floh aus dem Krieg

Seine Frau und sein Kind blieben zurück, weil die Reise zu gefährlich und zu teuer war

Er kam in unsere Stadt

Ist hier auf einem wirklich guten Weg

Die Bundesrepublik erteilte ihm keinen Flüchtlingsstatus, nur einen subsidiären Schutz, ohne dass er seine Familie in die Sicherheit nachholen kann

Dagegen rieten wir ihm vor Gericht zu klagen

Nun kam das Urteil

Wir freuen uns mit ihm und seiner Familie

Der Spezialbediener mit samt seiner großen Kehrmaschine

Zum heutigen Morgenlauf hatten sich zwar außer mir weitere vier Läufer „angemeldet“, aber letzten Endes waren wir heute zu dritt. Bulbul, Martin S. und ich

Wir liefen, da es ja eh stockfinster ist um diese Uhrzeit, einfach wieder über die Balkantrasse nach Remscheid-Lennep

Anfangs war es auch noch gut laufbar und das bisschen Laub auf dem Asphalt stellte für Radfahrer und uns Läufer wirklich kein Problem dar. Zumindest nicht auf dem Wermelskirchener Teil der Balkantrasse

Doch zwischen Bergisch-Born und Lennep änderte sich das schlagartig, denn dort war wesentlich mehr Laub auf der Trasse

Zum Glück, oder für einige auch zum Pech, verrichtete dort ein Spezialbediener mit samt seiner großen Kehrmaschine seinen Dienst im Auftrag der Stadt Remscheid

Er fuhr so vor sich hin und versuchte die Trasse vom Laub zu befreien. Es muss wohl ein schwieriges Unterfangen gewesen sein, denn er war nicht sehr erfolgreich bei seinem Auftrag (oder einfach noch nicht fertig)

Als wir dann in Lennep umdrehten, um wieder nach Hause zurück zu joggen, da kam uns nach einem Kilometer ein Radfahrer entgegengerumpelt, fiel ein paar Meter hinter uns kladeradatsch auf die Nase und blieb einen Moment regungslos liegen

Wir sind dann zu ihm hin und dann berappelte er sich wieder, stand auf und hob sein Fahrrad auf. Wir waren besorgt und fragten immer wieder ob wir helfen können, ob es ihm gut gehe und er würde ja humpeln und warum sind sie denn gefallen und überhaupt. Doch er meinte nur, dass mit dem Humpeln sei seine Arthrose und normal und er sei über diese Steine gefahren und dann habe es ihm den Lenker rumgeschlagen. Na ja, so konnten wir nichts weiter für ihn tun und er setzte sich wieder aufs Rad und fuhr zur Arbeit

Wir trabten also in Richtung Wermelskirchen

Nach weiteren gut zwei Kilometern stand der nächste Radfahrer an der Seite. Ein Rennradfahrer, der sich heute morgen schon zwei mal einen Platten gefahren hatte. Jedesmal aufgrund dieser Steine auf der Trasse. Wir erklärten ihm den kürzesten Weg von der Trasse zur Hauptstraße, wo er sich dann abholen lassen kann

Und der „Schuldige“ für die Steinflut war schnell ausgemacht. Es war der Spezialbediener mit samt seiner großen Kehrmaschine. Der fegte zwar teilweise, aber auch wirklich nur teilweise, das Laub von der Trasse, dafür fegte er allerdings im Austausch die großen Steine der alten Bahntrasse auf den Asphalt

Als wir dann viele Kilometer später erneut auf den Spezialbediener mit samt seiner großen Kehrmaschine trafen, versuchte Martin S. ihm seine etwas missliche Vorgehensweise zu erläutern und zusätzlich machten wir ihn auf die durch ihn verursachten zwei Unfälle aufmerksam, welche sich eben gerade zugetragen hatten. Er meinte dazu nur: Bevor er dort gefahren sei, wäre ja auch schließlich schon mal jemand mit dem Rad gefallen

Dazu ist mir dann nur noch der Satz eingefallen:

Es ist Krieg – was solls – die Menschen sterben ja so oder so irgendwann

Der Spezialbediener mit samt seiner großen Kehrmaschine hat nicht mal ansatzweise Martins Hinweis verstanden, dass er nicht so nah am Rand fegen soll, damit er die Steine nicht auf den Asphalt transportiert. Keiner hat gesagt, er solle nicht fegen

Fegen ist gut

Falsch fegen ist nicht gut

Wir lernen daraus, vor allem unser bengalischer Freund Bulbul, dass man als Spezialbediener mit samt seiner großen Kehrmaschine selbst mit kleinen Fegefehlern großen Schaden an Menschen verursachen kann

Gymnastik, Obst, Joghurt und Körner

„They just couldn’t believe that someone would do all that running for no particular reason.“ Forrest Gump