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Ach der Herr ist auch mal wieder da

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Vor drei Wochen wur­de Anja im Café Inter­na­tio­nal von einem jun­gen Soma­li um Hil­fe gebe­ten

Er habe auf Grund der Ver­gan­gen­heit in sei­nem Land ver­ges­sen seit wann er hier sei und kön­ne nicht schla­fen und müs­se zu einem Arzt und über­haupt habe er unheim­li­che Angst vor der Poli­zei, weil er all sei­ne Papie­re ver­lo­ren habe…

Zudem sei er bestimmt schon lan­ge über­fäl­lig, was den nächs­ten Ter­min bei der Aus­län­der­be­hör­de angeht

Anja rief mich hin­zu und ich die Ansprech­part­ne­rin unse­rer Initia­ti­ve “Will­kom­men in Wer­mels­kir­chen”

Jetzt ver­such­ten wir sein gebro­che­nes Eng­lisch zu ver­ste­hen und so kamen wir der Sache sei­ner Geschich­te auf den Grund

Schnel­les Han­deln war nun erfor­der­lich, denn ein ver­pass­ter Ter­min beim Aus­län­der­amt ist kein guter Beginn

Wir haben ver­ein­bart im Auf­trag der Initia­ti­ve einen anwalt­li­chen Rat ein­zu­ho­len, jedoch hat­te der ent­spre­chen­de Anwalt gera­de Urlaub und so hieß es erst ein­mal war­ten…

Einen Tag bevor der Anwalt wie­der aus dem Urlaub kam, bekam der jun­ge Soma­li eine erneu­te schrift­li­che Auf­for­de­rung zu einem Vor­sprech­termin beim Aus­län­der­amt

Wir lie­ßen also den Ter­min beim Anwalt und ich bot mich an mit dem jun­gen Mann nach Ber­gisch-Glad­bach zu fah­ren, um ihn bei dem Gespräch zu unter­stüt­zen, zu über­set­zen und dem Mit­ar­bei­ter des Amtes Din­ge zu erklä­ren

Heu­te sind wir also dort hin gefah­ren

Pünkt­lich um zehn­uhr­d­rei­ßig hol­te ich den jun­gen Soma­li in Beglei­tung von mei­nem Freund Dirk ab und wir düs­ten in die ent­fern­te Kreis­stadt Ber­gisch-Glad­bach

Nach vie­len Staus und roten Ampeln kamen wir fünf­und­vier­zig Minu­ten spä­ter pünkt­lich an und stel­len uns war­tend auf den Flur des Aus­län­der­am­tes

War­ten…

Dann kamen wir dran und die Dame vom Amt begrüß­te uns mit den Wor­ten

“Ach der Herr ist auch mal wie­der da — ist ja ein Ding”

Das ließ nichts Gutes erwar­ten und der jun­ge Soma­li wäre am liebs­ten vor Angst in mei­nem Ruck­sack ver­schwun­den

Ich beru­hig­te ihn und wir setz­ten uns hin zum Gespräch

Kei­ne Papie­re mehr

Kei­ne Ahnung was los war

Alles ver­ges­sen

Psy­chisch im Arsch

Angst

Und die Info der Dame vom Amt, dass er ja schon als ver­misst gemel­det sei

Und zum Schluss hat sich die Frau vom Amt doch dazu bereit erklärt dem jun­gen Soma­li noch eine drei­mo­na­ti­ge Auf­ent­halts­ge­stat­tung zu ertei­len

Sie hat uns geglaubt und sein Asyl­ver­fah­ren kann wei­ter gehen

Der jun­ge Soma­li hat auf der gan­zen Rück­fahrt immer wie­der gefragt, ob er jetzt wirk­lich kei­ne Angst mehr vor der Poli­zei haben müs­se

Nun die nächs­ten drei Mona­te nicht

Aber er muss sich jetzt zu einem Arzt bege­ben, um sei­ner Ver­gess­lich­keit auf den Grund zu gehen und die Ver­gan­gen­heit auf­zu­ar­bei­ten

Zudem habe ich jetzt erst mal die Betreu­ung für ihn über­nom­men, sofern er das möch­te und in Anspruch nimmt

stay tun­ed

“They just could­n’t belie­ve that someone would do all that run­ning for no par­ti­cu­lar reason.” For­rest Gump

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