Jetzt sind wir sauber

Wie der geneigte Leser sicher schon bemerkt hat, schreibe ich nicht mehr jeden Tag von meinen Lauferlebnissen

Sie wiederholen sich nach beinahe dreizehn Jahren Sport und beinahe sechs Jahren Streakrunning

Vermutlich würden sie nur langweilen

Aber manchmal gibt es was zu erzählen

Wie heute

Ich lief in der Dunkelheit heute morgen zum Treffpunkt mit Bulbul und Martin, um mit den beiden einen langsamen Lauf auf der Balkantrasse nach Lennep zu laufen

Wir machtes es wirklich ruhig und haben uns unterwegs gut unterhalten

In Lennep drehten wir um und machten uns auf den Hemweg

Als wir gerade an der Kreuzung Trecknase unter der Brücke durchliefen, stand dort Nurudeen an der Seite

Er muss uns hinterher gelaufen sein und wollte nun mit uns zurück nach Wermelskirchen laufen

Da er gar nicht im Training ist, mussten wir noch etwas langsamer machen und ihm auch zwischendurch immer mal die Waden massieren

Nududeen ist schon verrückt uns einfach bis Lennep hinterher zu laufen

Gestern hatte er mich schon ein paar Kilometer begleitet aber bis Lennep und zurück ist für einen untrainierten Läufer doch zu viel

Auch wenn er erst neunzehn Jahre alt ist und als Afrikaner gute körperliche Voraussetzungen hat

So begleiteten wir ihn bis zur Stadtgrenze Wermelskirchen

Danach machten wir uns allesamt auf den zerstreuten Heimweg

Zu Hause angekommen reinigte ich meinen Trinkrucksack und warf meine Sportsachen in die Waschmaschine bevor ich in der Dusche verschwand

Nach einem Moment hörte ich Anja rufen: „Wo ist Deine Stirnlampe?“

Ich antwortete: „Im Schleudergang“

Denn uns beiden ist glühend heiß eingefallen, dass ich sie aus Versehen mit in den Wäschekorb geschmissen hatte und somit durchlief sie heute das volle Waschprogramm

Jetzt sind wir beide sauber

Die Lampe und ich

Gymnastik, Obst, Joghurt und Körner

ps. Sie funktioniert noch

„They just couldn’t believe that someone would do all that running for no particular reason.“ Forrest Gump

Dürfen

„Dürfen die denn auch mit euch da rein?“

Es ist ein langer Weg

Ein sehr langer Weg, bis es in den Köpfen der Menschen nicht mehr die und die anderen gibt

Heute eröffnete in unserer Kleinstadt Wermelskirchen eine Landbäckerei mit ihrem neuen Angebot. Viele Sitzplätze in der Innen- und Außengastronomie. Sehr schönes Ambiente und wie an einem Eröffnungstag üblich mit vielen neugierigen Besuchern. So waren auch Anja, Martin, Wolfgang und ich dort, um uns „den neuen Laden“ mal anzuschauen und den sonst mittags stattfindenden Mittagskaffe zu genehmigen. Später kam auch Christine mit Hoshank vorbei und sie setzten sich einen Tisch weiter, weil an unserem Tisch kein Platz mehr war.

Nach einer guten halben Stunde kam meine Mutter vorbei und war auch neugierig ob des neuen Angebots in der Stadt und als wir uns so ganz zwanglos unterhielten, stellte sie uns diese Frage:

„Dürfen „die“ denn auch mit euch da rein?“

Anja und ich stutzten – Einen Moment sprachlos, aber dann aufklärend

Weist du was du da gesagt hast?

Mutter diese Leute wohnen hier, sie leben hier, sie arbeiten hier und sie gehen auch in jedes Café nach ihren Wünschen

Meine Mutter ist bald 79 Jahre alt und hat von der schlimmen Zeit Deutschlands nur als Kind etwas mitbekommen, aber dennoch sind die Angst vor Fremden und die Ungleichstellung verschiedener Menschengruppen bei ihr tief verwurzelt. Sie hat es als Tochter eines Ladenbesitzers und einfache Volksschülerin, später mit einem Arbeiter verheiratet, meinem Vater, nicht anders mitbekommen. Es gab immer „die“, welche nicht so waren wie wir und es wurde auch immer so darüber gesprochen, also ob sie nicht gleichberechtigt seien.

Obwohl sie unseren Freund Bulbul kennt, Ousmane und Momo und Masood und Hoshank schon kennengelernt hat und sie bei sich zu Hause über die Weihnachtstage zu Besuch hatte. Trotzdem sind es für sie ganz tief drinnen immer noch „die“

Es sind zwar nur Worte, doch diese Worte drücken etwas aus

Es ist ein sehr langer Weg, bis es in den Köpfen der Menschen nicht mehr die und die anderen gibt