Du bist wie dein Opa

Meine Mutter sagte schon immer, dass ich ein richtiger Geschäftsmann sei. Wie ihr Vater, mein Opa einer war. Ich kenne meinen Opa mütterlicherseits nicht, aber sie erzählen alle, dass er genau so wenige Haare auf dem Kopfe trug wie ich und dass er in seinem kleinen Schirmgeschäft ein guter und sehr genauer Geschäftsmann war. So sagen sie also zu mir

„Du bist wie dein Opa“

Nun ist das alles schon lange vorbei, mein Opa lebt schon ewig nicht mehr und ich selbst gleite ja so mit und mit aus der Geschäftswelt hinaus. Also fast

Ich hatte ja vor zwei Jahren mein Kind beziehungsweise mein Buch veröffentlicht und habe damit einiges zu tun. Den Vertrieb übernehme ich selbst und verkaufe nun Bücher. Zwar nur mein eigenes, aber immerhin, und damit habe ich reichlich zu tun. Ich möchte die Idee des Buches, die Idee dahinter an den Mann und an die Frau bringen. Nicht, wie der geneigte Leser vielleicht denken mag, indem ich von Tür zu Tür gehe und ein Exemplar in Händen halte, nein weit gefehlt, ich erzähle davon und interessiere die Menschen dafür es auch zu lesen

So traf ich gestern auf Peter und erzählte ihm von meiner Lebensveränderung und dass ich darüber ein Buch geschrieben habe. Heute trafen wir uns wieder, er fuhr neben mir her und an einer überdachten Stelle verkaufte ich ihm mein von ihm gestern bei mir bestelltes Taschenbuch. Handsigniert mit den Worten:

Tag 2971
bei Kilometer 65168
Für Peter

Lutz

Ich bin halt wie mein Opa. Durch und durch Geschäftsmann :lol:

„They just couldn’t believe that someone would do all that running for no particular reason.“ Forrest Gump

Bekanntschaften

Tag 2970

Heute startetet ich völlig unmotiviert aus der Haustüre in die Dunkelheit. Bei Kilometer 2,5 kam mir Anja, wie an jedem anderen Morgen mit Paul entgegen gelaufen und wir hielten beide kurz an, um nachzufragen, ob es rund läuft

Weiter – Anja in Richtung Grünestraße und ich in Richtung Lennep

Als ich schon über die Balkantrasse lief überholte ich Frau R. die Rentnerin, welche dort erst seit gestern wieder ihren morgendlichen Spaziergang macht. Sie war eine ganze Woche außer Gefecht, da sie in der Stadt gestürzt war und deshalb ein paar Tage im Krankenhaus verbrachte, wie ich erst gestern von ihr erfahren hatte. Ich dachte, sie wäre für einige Tage verreist gewesen. Jetzt gehört sie jedenfalls auch zu der erlesenen Gruppe der Wermelskirchener Sturzpiloten

Ich lief weiter und wurde kurz hinter Bergisch Born von einem Radfahrer überholt. Er trägt eine rote Windjacke und eine graue Plümmelmütze Dieser Radfahrer überholt mich wochentags meist zwischen Bergisch Born und Lennep. Wir rufen uns ein kurzes „Moin“ zu und schon sehe ich von ihm nur noch das rote Rücklicht auf die nächsten zwei bis dreihundert Meter

Plötzlich war das Rücklicht aus und ein anderes Fahrrad kam mir entgegen – so dachte ich. Das Licht kam immer näher und als es neben mir war erkannte ich die rote Jacke und die graue Plümmelmütze. „Hey – hast Du was vergessen?“ rief ich ihm zu. „Nein – lauf weiter, ich rolle was neben dir her“, antwortete er mir

„Sag mal du läufst jeden Morgen hier auf dieser Strecke. Ich sehe dich ja immer.“

„Ja“ Und so war ich wiedereinmal gehalten meine Geschichte in Kurzform zu erzählen

Natürlich habe ich von meinem Täglichlaufen erzählt und natürlich auch von meinem Buch, in dem ich meine Lebensveränderung schilderte

Im Gegenzug erzählte auch er mir ein bisschen seiner Geschichte. Sein Name ist Peter, er kommt aus Kürten, fährt in der dunklen Jahreszeit mit dem Auto bis Bergisch Born und ab da bis Schwelm mit dem Rad. Im Sommer auch die ganze Strecke. Er fährt gerne mit dem Rad. Dann erzählte er mir noch was er dort beruflich macht und so weiter

So passieren wieder und wieder diese Bekanntschaften auf der Balkantrasse. Ich finde das spannend und morgen soll ich ein Taschenbuch im Laufrucksack mit zum Treffpunkt bringen

Kilometerstand 65146

„They just couldn’t believe that someone would do all that running for no particular reason.“ Forrest Gump