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Ich bin überwältigt

Bul­bul hol­te mich wie­der ab zum Mor­gen­lauf. Schein­bar passt es ihm gut, die ers­ten andert­halb Kilo­me­ter allei­ne zu lau­fen und mich dann erst im Schlepp­tau zu haben

Wir dre­hen dann eine gro­ße Stadt­run­de bis zum Bel­ten und zurück, so dass er recht­zei­tig vor dem Unter­richt der VHS wie­der zurück ist

Dann lief ich wie­der auf die Bal­kan­tras­se in Rich­tung Len­nep. In Höhe Obi-Zen­tra­le war­te­te Mar­tin auf mich und “trug” mich in einem für mich etwas flot­te­ren Tem­po bis zum Bahn­hof in Len­nep

Wenn man zu zweit läuft geht das ja viel ein­fa­cher vom Fuß

Die Stre­cke fliegt nur so an einem vor­bei — bei dem gan­zen Gequat­sche

Ab Len­nep lief ich dann aber wie­der allei­ne nach Hau­se und wur­de von sehr vie­len Rad­fah­rern immer noch zu mei­ner Erd­um­run­dung im Täg­lich­lau­fen gra­tu­liert

Das mach­te mich stut­zig und natür­lich gleich­zei­tig stolz

Zu Hau­se ange­kom­men bekam ich auch noch Glück­wün­sche von ver­schie­de­nen Leu­ten über den Mes­sen­ger Whats­App und jetzt war ich mir sicher, dass bestimmt heu­te wie­der in irgend­ei­ner Zei­tung ein Bericht dar­über erschie­nen sein muss­te. Das kann ja gar nicht anders sein, denn so ein groß­ar­ti­ges Ereig­nis ist so ein Lauf um die Welt ja nun auch nicht, dass man sich das über eine Woche lang merkt und mich des­halb gra­tu­liert. Des­halb frag­te ich einen Gra­tu­lan­ten und bekam das Foto aus dem Ber­gi­schen Anzei­ger :)

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Ich bin über­wäl­tigt und freue mich immer noch

Und Paul freut sich auch jeden Tag, wenn ich nach Hau­se kom­me und mit ihm etwas Ball spie­le :mrgreen:

Gym­nas­tik, Obst, Joghurt und Kör­ner

“They just could­n’t belie­ve that someone would do all that run­ning for no par­ti­cu­lar reason.” For­rest Gump

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Das ist schon Alltag

In den Nachrichten wird jeden Tag über den Krieg in Syrien berichtet -

Anja und ich sit­zen wie fast jeden Tag in letz­ter Zeit um die Mit­tags­zeit im Eis­ca­fé Cor­del­la und war­ten auf Men­schen mit Fra­gen zu ihren Asyl­an­ge­le­gen­hei­ten

Dann kommt Qus­say mit einem ande­ren Syrer an unse­ren Tisch und fragt, ob wir Zeit haben. Ja haben wir

Er hält die For­mu­la­re der Arbeits­agen­tur in Hän­den und sei­ne BÜMA und sei­nen Asyl­be­scheid, wor­in ihm beschei­det wur­de, dass er kein Asyl bekommt, aber sub­si­diä­ren Schutz. Erst­mal für ein Jahr

Er, Jahr­gang neun­und­sech­zig, war in Syri­en Bus­fah­rer, hat einen inter­na­tio­na­len Füh­rer­schein und sucht jetzt Arbeit. Sei­ne Fami­lie kann er nicht nach­ho­len. Die blei­ben im Krieg

und wir sit­zen im fer­nen Deutsch­land, im ita­lie­ni­schen Eis­ca­fé und hel­fen dem Syrer beim Aus­fül­len der For­mu­la­re des Job­cen­ters…

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Ausflug

Am Sonn­tag wur­den vie­le neue Wer­mels­kir­che­ner mit zwei Bus­sen zu einem Ter­min in eine Zen­tra­le-Unter­kunft im cir­ca ein­hun­dert Kilo­me­ter ent­fern­ten Möh­ne­see gefah­ren. Auf der “Ein­la­dung” stand “Ter­min zur Asyl­an­trag­stel­lung beim BAMF”. Hier­bei waren auch vie­le der Jungs, wel­che regel­mä­ßig mit mir lau­fen

Ein Aus­flug zum Möh­ne­see

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Die Leu­te erwar­te­ten eigent­lich eine Befra­gung zu ihren Flucht­grün­den. Jedoch wur­den sie nur regis­triert. Es wur­den ihre Fin­ger­ab­drü­cke genom­men und eini­ge Fra­gen über ihre Flucht­we­ge gestellt. Eini­ge der Leu­te beka­men neue Ter­mi­ne um erneut vor­stel­lig zu wer­den. Ande­re beka­men kei­ne wei­te­ren Ter­mi­ne

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Die­se Zen­tra­le-Unter­kunft ist laut der Aus­sa­ge eines der Mit­ge­reis­ten eine sehr sau­be­re und geord­ne­te Unter­kunft und das Essen ist OK.

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Es gibt dort auch meh­re­re Sport­an­ge­bo­te und Spiel­mög­lich­kei­ten

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Am Abend des Fol­ge­ta­ges waren die neu­en Wer­mels­kir­che­ner wie­der zurück in unse­rer Stadt

Zum heu­ti­gen Mor­gen­lauf hol­te mich Bul­bul ab und wir unter­hiel­ten uns über sei­nen Aus­flug zum Möh­ne­see

Er emp­fand es dort als sehr ordent­lich und men­schen­wür­dig. Es sind sehr vie­le Men­schen dort. Er ver­steht aller­dings nicht, wes­halb sie dort nicht auch ihre “Inter­views” hat­ten. Dafür bekommt jetzt jeder einen neu­en Ter­min und die­ser fin­det auch jeweils an ande­ren Orten statt

Wir lie­fen eine gro­ße Run­de durch die Stadt, bevor ich ihn nach Hau­se brach­te und allei­ne mei­ne Stre­cke nach Len­nep zockel­te

Als ich in Len­nep umdreh­te kam mir Mar­tin ent­ge­gen und beglei­te­te mich noch ein Stück mei­nes Weges, bevor auch er abbog

Jetzt muss­te ich nur noch zurück nach Hau­se. Nicht mehr sehr weit. Nur noch zehn Kilo­me­ter

Gym­nas­tik, Obst, Joghurt und Kör­ner

“They just could­n’t belie­ve that someone would do all that run­ning for no par­ti­cu­lar reason.” For­rest Gump