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Der nächste Zug

Guten Tag liebe Leser

Heute holte mich Rahul pünktlich um 6:15 Uhr bei mir zu Hause ab, so dass wir ebenfalls pünktlich um 6:33 Uhr bei Masood waren

Zusammen liefen wir dann bis kurz hinter Bergisch-Born und unser Thema heute war die Ausbildung der neuen Wermelskirchener, wie können sie in den Arbeitsmarkt und welche Voraussetzungen müssen dafür geschaffen werden

Es bedarf immer etwas Überzeugungsarbeit und guter Argumente mit praktischen Beispielen, um die wichtigste Voraussetzung klar zu machen

Erst muss die Sprache gelernt und das mindestens mit einer erfolgreichen Prüfung nach B1 Standard belegt werden

„Über ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache nach Absatz 1 Nr. 1 verfügt, wer sich im täglichen Leben in seiner Umgebung selbständig sprachlich zurechtfinden und entsprechend seinem Alter und Bildungsstand ein Gespräch führen und sich schriftlich ausdrücken kann (Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen).“

Quelle: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz Link

Der Weg dorthin ist mühsam und schwer, vor allem weil es dauert bis man dieses sprachliche Niveau erreicht hat und man in dieser Zeit keiner lohnenswerten Arbeit nachgehen kann

Nur lernen, lernen und nochmals lernen

Vielleicht kann man zusätzlich ein paar Stunden am Tag arbeiten, aber nicht über die erlaubten 1€/Stunde verdienen

Ich finde es immer wieder toll, wenn sich selbst Analphabeten auf den Weg machen unsere Sprache zu erlernen und dabei große Fortschritte machen

Hierbei ist die Motivation der Gruppe Menschen, die zusammenleben von großem Vorteil

Auch wenn dem ein oder anderen „Schüler“ dabei schon mal die Luft ausgeht oder anders gesagt die Motivation geht flöten, dann ist das kein Beinbruch (wie bei Bulbul) sondern nur ein Grund den nächsten Zug zu besteigen, der in den Bahnhof einfährt

Hauptsache es geht weiter mit der Ausbildung

Hauptsache es geht weiter mit dem Wissenserwerb

Hauptsache kein Stillstand

Wenn man den Zug verpasst hat, dann kann man immer noch den nächsten nehmen

Die Alternative wäre ein Leben wie in der Heimat, in deren Heimat und von dort sind sie ja aus gutem Grund geflohen. Sei es wegen des Krieges, der unmenschlichen Verhältnisse oder weil sie einfach nix oder zu wenig zu Fressen hatten

Ich bin mir sicher unsere Gespräche fruchten in Überzeugung und Wissensdrang

Masood brachten wir nach knappen neun gemeinsamen Kilometern nach Hause und dann liefen Rahul und ich noch bis die vierundzwanzig Kilometer auf dem Tacho standen

Gymnastik, Obst, Joghurt und Körner

Als Anja und ich beim Frühstück saßen kam von Masood eine Nachricht auf´s Smartphone

Hallo – ich bin in der Schule

„They just couldn’t believe that someone would do all that running for no particular reason.“ Forrest Gump